Draußen sind es fünf Grad, alle Thermostate stehen auf Stufe 5 – und trotzdem wird das Wohnzimmer nicht richtig warm. Oder umgekehrt: Schon bei mildem Herbstwetter sind die Räume überheizt, und der Brenner schaltet ständig ein und aus. Eine häufige Ursache ist die Heizkurve. Wer die Heizkurve einstellen möchte, braucht vor allem Geduld und ein kleines Protokoll. Dieser Ratgeber erklärt, was Neigung und Niveau bedeuten, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen und warum die Nachtabsenkung bei Gasheizung und Wärmepumpe unterschiedlich zu bewerten ist.

Was die Heizkurve regelt
Die Heizkurve – auch Heizkennlinie genannt – legt fest, wie warm das Heizwasser bei welcher Außentemperatur wird. Je kälter es draußen ist, desto höher steigt die Vorlauftemperatur. Das funktioniert nur bei einer witterungsgeführten Regelung mit Außenfühler. Am Regler finden Sie dafür meist diese Stellgrößen:
- Neigung (Steilheit): bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur steigt, wenn es draußen kälter wird.
- Niveau: verschiebt die ganze Kurve parallel nach oben oder unten.
- Heizgrenze bzw. Fußpunkt: legt fest, ab welcher Außentemperatur überhaupt geheizt wird. Im Beispiel von Viessmann mit Fußpunkt 18 °C und Sockeltemperatur 25 °C läuft über 18 °C Außentemperatur kein Heizbetrieb.
- Sockeltemperatur und Absenkzeiten: der Startwert der Kurve und die Zeiten, in denen die Heizung weniger leistet, etwa nachts.
Das Ziel: so niedrig wie möglich, so warm wie nötig
Richtig eingestellt ist die Heizkurve, wenn die Vorlauftemperatur so niedrig ist, dass alle Räume bei voll geöffneten Thermostatventilen – meist Stufe 5 – gerade noch warm genug werden. Die Verbraucherzentrale NRW betont, dass das bei Wärmepumpen besonders wichtig ist. Denn je niedriger die Vorlauftemperatur, desto höher die Jahresarbeitszahl, also die Effizienz der Wärmepumpe über das ganze Jahr.
Eine Voraussetzung ist der hydraulische Abgleich. Ohne ihn bleiben einzelne Räume kalt, auch wenn die Kurve sonst passt. Wie der Abgleich abläuft, lesen Sie im Ratgeber Fußbodenheizung: hydraulischer Abgleich.
Auch die gewünschte Raumtemperatur spielt mit. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt etwa 20 °C im Wohnzimmer und 16 bis 18 °C im Schlafzimmer. Unter 16 °C sollte kein Raum fallen, sonst steigt die Schimmelgefahr. Jedes Grad weniger spart etwa 6 % Heizenergie.
Heizkurve einstellen in sechs Schritten
Die Reihenfolge folgt der Anleitung von Viessmann. Die Begriffe im Menü können je nach Regler abweichen – schauen Sie im Zweifel in Ihre Bedienungsanleitung.
- Vorbereiten. Öffnen Sie in allen Räumen die Thermostatventile voll. Nur so sehen Sie, was die Heizkurve allein bewirkt.
- Protokoll führen. Notieren Sie täglich Datum, Außentemperatur morgens und abends, die eingestellte Neigung, das Niveau und die Raumtemperaturen.
- Neigung an kalten Tagen anpassen. Ändern Sie die Neigung nur, wenn es draußen kälter als 5 °C ist. Nur dann zeigt sich, ob die Kurve bei Kälte ausreicht.
- Niveau in der Übergangszeit feinjustieren. Bei Außentemperaturen zwischen 5 und 15 °C stellen Sie das Niveau nach.
- In kleinen Schritten ändern. Verstellen Sie die Werte jeweils nur leicht und tragen Sie jede Änderung ins Protokoll ein.
- Abwarten. Nach jeder Änderung braucht das Haus 12 bis 24 Stunden, bis sich die Raumtemperatur eingependelt hat. Bei einer Fußbodenheizung kann es mehrere Tage dauern.
Bevor Sie in einer Mietwohnung die Heizkurve einstellen, sprechen Sie mit Vermieter oder Hausmeister. Ändern Sie dort nichts ohne Absprache.
Zu kalt oder zu warm? So lesen Sie die Symptome
Mit dem Protokoll erkennen Sie, ob Sie an der Neigung oder am Niveau drehen müssen. Viessmann nennt dafür diese Regeln:
| Symptom | Was Sie ändern |
|---|---|
| Räume sind grundsätzlich zu kalt, egal bei welchem Wetter | Niveau erhöhen |
| Nur an kalten Tagen zu kalt | Neigung erhöhen |
| In der Übergangszeit zu kühl, an kalten Tagen in Ordnung | Niveau erhöhen, Neigung senken |
| In der Übergangszeit zu warm, an kalten Tagen in Ordnung | Niveau senken, Neigung erhöhen |
| Brenner schaltet häufig ein und aus (Takten) | Heizkurve schrittweise senken, zuerst das Niveau |
Der Grundgedanke: Das Niveau wirkt bei jeder Außentemperatur, die Neigung vor allem bei Kälte. Deshalb hilft die Unterscheidung zwischen milden und kalten Tagen bei der Diagnose. Häufiges Takten deutet laut Viessmann oft auf eine zu hoch eingestellte Heizkurve hin.
Richtwerte für die Neigung – nur als Orientierung
Wie steil die Kurve sein muss, hängt vom Haus und von den Heizflächen ab. Viessmann nennt für seine Regler die folgenden Richtwerte. Sie sind nur eine Orientierung laut Viessmann-Skala, denn andere Hersteller nutzen andere Skalen. Maßgeblich ist der Wert laut Bedienungsanleitung Ihres Reglers.
| Gebäude und Heizfläche | Neigung (Orientierung, Viessmann-Skala) |
|---|---|
| Gut gedämmt, Fußbodenheizung | 0,3 bis 0,5 |
| Gut gedämmt, Heizkörper | 1,0 bis 1,2 |
| Älteres Haus, Heizkörper | 1,4 bis 1,6 |
| Wärmepumpe allgemein | 0,2 bis 0,4 |
Übernehmen Sie die Zahlen nicht blind. Wenn Sie die Heizkurve einstellen, starten Sie mit dem aktuellen Wert und tasten Sie sich mit dem Protokoll heran.
Nachtabsenkung: Gasheizung ja, Wärmepumpe meist nein
Gas- oder Ölheizung mit Heizkörpern: Hier ist eine Nachtabsenkung laut Verbraucherzentrale NRW sinnvoll. Stellen Sie unterschiedliche Zeiten für Werktage und Wochenende ein. Bei Kälte sollten die Räume nicht unter 16 °C auskühlen – dann besser absenken statt abschalten. Bei mildem Wetter ist eine Abschaltung möglich. Ein stark ausgekühltes Gebäude braucht ein bis zwei Tage, bis es wieder warm ist.
Wärmepumpe oder Fußbodenheizung: Laut Verbraucherzentrale NRW bringt eine starke Absenkung oder Abschaltung hier wenig, senkt durch die längeren Aufheizzeiten den Komfort und schadet meistens sogar der Effizienz. Auch die Verbraucherzentrale auf Bundesebene schreibt, dass Wärmepumpen ohne Absenkung in der Regel effizienter arbeiten. Im Praxistest von co2online lief eine Wärmepumpe in den kalten Monaten rund um die Uhr ohne Nachtabsenkung, bei möglichst niedriger Vorlauftemperatur.
Eine niedrige Vorlauftemperatur hat bei der Luft-Wasser-Wärmepumpe noch einen Vorteil: Das Außengerät vereist weniger und muss seltener abtauen. Mehr dazu im Ratgeber Wärmepumpe im Winter: Abtauen, Dampf und Eis.
Wann die Optimierung Pflicht ist – und wann gefördert
In Gebäuden mit mindestens sechs Wohnungen oder sonstigen selbständigen Nutzungseinheiten schreibt § 60b Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) eine Heizungsprüfung für wasserführende Heizungen vor, die keine Wärmepumpe sind. Zu den regelmäßig notwendigen Maßnahmen gehört, bei groben Fehleinstellungen die Vorlauftemperatur zu senken und die Heizkurve zu optimieren. Auch bei der Betriebsprüfung neuerer Wärmepumpen in solchen Gebäuden (§ 60a GModG) wird die Heizkurve kontrolliert.
In kleineren Gebäuden, etwa im Ein- oder Zweifamilienhaus, besteht keine Prüfpflicht. Dort kann sich die Förderung lohnen: Das BAFA bezuschusst im Rahmen der Heizungsoptimierung den hydraulischen Abgleich inklusive Einstellung der Heizkurve mit 15 % – in Bestandsgebäuden mit höchstens fünf Wohneinheiten und nur unter Einbindung eines Fachunternehmens oder Energieeffizienz-Experten. Prüfen Sie die aktuellen Bedingungen vor dem Antrag auf bafa.de. Dies ist eine allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Heizungsoptimierung in Duisburg und Umgebung
Sie möchten die Kurve nicht selbst einstellen oder kommen mit dem Protokoll nicht weiter? Luftwerk prüft die Regelung Ihrer Gasheizung oder Wärmepumpe, führt den hydraulischen Abgleich durch und stellt Heizkurve und Pumpe passend ein – auf Wunsch im Rahmen der Wartung. Wir sind in Duisburg, Moers, am Niederrhein, im westlichen Ruhrgebiet sowie in Krefeld, Düsseldorf und Neuss bis Köln im Einsatz. Rufen Sie an unter 0176 410 690 04 oder schreiben Sie uns per WhatsApp.
Weiterlesen: Heizkörper wird nicht warm · Heizung-Wintercheck: Checkliste · Wartung und Service
Quellen: Viessmann: Heizkurve einstellen; Verbraucherzentrale NRW: Heizung optimieren und Heizkosten sparen; Verbraucherzentrale: 10 einfache Tipps zum Heizkosten sparen; co2online: Wärmepumpe im Praxistest; Wolf: Warum dampft die Wärmepumpe?; § 60b GModG; § 60a GModG; BAFA: Heizungsoptimierung. Stand: Oktober 2026.
Häufig gestellte Fragen
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